Chronisch krank im Job
Chronisch kranke Mitarbeiter sind längst keine Seltenheit mehr. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) lebt ein großer Teil der erwachsenen Bevölkerung mit mindestens einer chronischen Erkrankung – Tendenz steigend. Für Unternehmen heißt das: Ein erheblicher Teil der Belegschaft hat besondere gesundheitliche Bedürfnisse, bringt aber zugleich wertvolle Kompetenzen mit.
Zahlen und Fakten
Rund die Hälfte der älteren Erwerbstätigen lebt mit mindestens einer chronischen Erkrankung.
Ältere Menschen, Frauen und Personen mit niedrigerem Bildungsabschluss sind häufiger betroffen.
Chronische Krankheiten gehören zu den Hauptursachen für Arbeitsunfähigkeit.
Viele Betroffene möchten weiterhin berufstätig bleiben.
Wer gilt als chronisch krank?
Als chronisch krank gilt, wer seit mehr als einem Jahr an einer Erkrankung leidet, die regelmäßige medizinische Behandlung erfordert. Diese Erkrankungen sind oft unsichtbar – und das macht den Umgang im Arbeitsalltag nicht immer leicht. Typische chronische Erkrankungen:
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Krebs
- Rheuma
- Chronische Lungenerkrankungen (z.B. Asthma, COPD)
- Psychische Erkrankungen
- Diabetes
Hinweis
Chronisch krank heißt nicht automatisch leistungsgemindert. Viele Betroffene sind gut eingestellt und voll arbeitsfähig.
Auswirkungen im Arbeitsalltag
Die Folgen einer chronischen Erkrankung sind individuell verschieden. Häufig berichten chronisch kranke Mitarbeiter über:
die Belastbarkeit ändert sich von Tag zu Tag
viele Erkrankungen gehen mit Fatigue einher
regelmäßige Behandlungen können die Arbeitszeit beeinflussen
Krankheit und mögliche Stigmatisierung können zusätzlichen Stress verursachen
Rolle der Sicherheitsbeauftragten
Sicherheitsbeauftragte können viel dazu beitragen, damit chronisch erkrankte Kolleginnen und Kollegen gut arbeiten können:
- Auf individuelle Bedürfnisse achten.
- Bei Rundgängen auf Unterstützungsangebote hinweisen.
- Betroffene zu Patientenvertretungen oder Selbsthilfegruppen lotsen.
- Zum Kontakt mit Betriebsarzt, BEM-Stelle oder Schwerbehindertenvertretung ermutigen.
Offenheit: Eine persönliche Entscheidung
Niemand muss eine Erkrankung offenlegen, solange die Arbeitsleistung nicht beeinträchtigt ist. Freiwillige Offenheit kann jedoch Vorteile bringen – etwa durch angepasste Arbeitsbedingungen oder mehr Verständnis im Team.
Hinweis:
Eine Offenlegung ist erforderlich, wenn die Erkrankung die Arbeitsleistung dauerhaft beeinträchtigt oder eine Gefährdung für andere Beschäftigte, den Betriebsablauf oder Dritte darstellen kann.
Unterstützung durch Arbeitgeber
Flexible Arbeitsmodelle
- Gleitzeit, Homeoffice, Teilzeit
- Anpassung von Arbeitszeiten an Therapiepläne
- Angepasste Arbeitsplatzgestaltung
- Ergonomische Ausstattung
- Reduktion körperlicher Belastung
Betriebliches Gesundheitsmanagement
- Präventions- und Bewegungsangebote
- Stressbewältigung
Führung und Kommunikation
- Regelmäßige Gespräche und Feedback
- Sensibilisierung von Führungskräften
- Offene, wertschätzende Unternehmenskultur
Praxisbeispiele
Flexible Arbeitszeit bei Rheuma: Ein mittelständisches Unternehmen ermöglicht Mitarbeitern mit Rheuma spätere Arbeitsbeginnzeiten an Tagen mit starken Beschwerden.
Homeoffice bei chronischer Erschöpfung: Ein IT-Unternehmen erlaubt hybrides Arbeiten, um Energie besser einzuteilen.
Stufenweise Wiedereingliederung: Nach längerer Krankheit kehren Beschäftigte schrittweise zurück – ein bewährtes Instrument zur nachhaltigen Integration.
Disease Management-Programme (DMP)
Für viele chronische Erkrankungen wie Diabetes (Typ 1 und 2), Brustkrebs, koronare Herzkrankheit, Asthma, COPD bieten gesetzliche Krankenkassen freiwillige strukturierte Behandlungsprogramme an, sogenannte Disease Management-Programme (DMP).
Ärzte verschiedener Fachrichtungen sowie weitere Gesundheitsberufe arbeiten dabei eng zusammen. Sie behandeln die Patienten nach aktuellen, wissenschaftlich geprüften Methoden.